Kredit umschulden – wie geht das und wann ist es sinnvoll?

Wie kann man einen Kredit sinnvoll umschulden?Wer sich von der Bank Geld leiht, bindet sich meist für mehrere Jahre an feste Konditionen. Doch manchmal würde man gerne früher aus dem Vertrag aussteigen, z.B. wenn es woanders günstigere Zinsen gibt. Was viele Verbraucher nicht wissen: ein Kredit lässt sich meist auch vorzeitig umschulden. Wir erläutern wie es geht, und wann es sinnvoll ist.


➥ So gehen Sie vor

Grafik zur Antragstellung
  • 1. Bestehenden Kreditvertrag analysieren: Wie hoch sind die Zinsen des Altkredits, und was sind die Bedingungen für eine vorzeitige Rückzahlung?
  • 2. Ersparnis überprüfen: Vergleichen Sie die Zinsen Ihres Altkredits mit den Konditionen von heute, z.B. mit unserem Ratenkredit-Vergleich. Die aktuellen Zinsen für eine Baufinanzierung finden Sie hier.
  • 3. Neuen Kredit abschließen: Wichtig: Geben Sie beim Verwendungszweck: „Kredit umschulden“ an.
  • 4. Alte Verbindlichkeit zurückzahlen: Kündigen Sie Ihr altes Darlehen, und zahlen Sie es mit dem Geld aus dem „Neuen“ zurück.

Wann kann man einen Kredit umschulden?

Ein Kredit lässt sich immer dann umschulden, wenn man den alten Vertrag kündigen kann. In diesem Fall wird der ausstehende Betrag der alten Verbindlichkeit mit dem Geld aus dem neuen Vertrag zurückgezahlt. Ob eine vorzeitige Kündigung möglich ist, hängt unter anderem davon ab, um welche Art von Kredit es sich handelt. So lässt sich z.B. der Dispo auf dem Girokonto jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist ganz oder teilweise zurückzahlen.

Ratenkredit (normaler Verbraucherkredit)

Auch bei einem Ratenkredit ist eine vorzeitige Umschuldung in den meisten Fällen problemlos möglich. Hierbei wird unterschieden, ob die Kreditaufnahme vor oder nach dem 11.06.2010 stattfand:

  • Vor dem 11.06.2010: Der Vertrag lässt sich frühestens 6 Monate nach Laufzeitbeginn mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten kündigen. Eine vollständige Rückzahlung ist somit nach 9 Monaten möglich.
  • Nach dem 11.06.2010: Eine Rückzahlung ist unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von einem Monat möglich.

Baufinanzierung (grundschuldgesichertes Darlehen)

Eine Baufinanzierung mit veränderlichem Zinssatz (der Zinssatz kann während der Laufzeit schwanken) kann der Kreditnehmer jederzeit unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von drei Monaten kündigen. In den meisten Fällen vereinbaren Bank und Kunde jedoch eine sogenannte Zinsbindung. Das bedeutet, dass sich der Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum nicht ändern darf. In dem Fall gelten andere Voraussetzungen:

  • Kündigung zum Ende der Zinsbindung: Eine Kündigung ist zum ersten Mal möglich, wenn die Zinsbindung endet. Haben Sie z.B. mit Ihrer Bank vereinbart, dass der Zinssatz für 5 Jahre gleichbleibt, können Sie Ihre Baufinanzierung das erste Mal nach 5 Jahren umschulden.
  • Kündigung spätestens nach 10 Jahren: Der Gesetzgeber erlaubt dem Darlehensnehmer (Hausbesitzer), den Kreditvertrag in jedem Fall nach 10 Jahren zu kündigen.
  • Vorzeitige Kündigung mit Einverständnis der Bank: Kunde und Bank können sich jederzeit einvernehmlich auf eine vorzeitige Ablösung einigen. Sie können also z.B. bei Ihrer Bank anfragen, ob diese bereit ist, das alte Darlehen bereits vor Ablauf der Zinsbindung zu beenden, und durch einen Neues mit günstigeren Zinsen zu ersetzen.

Wo kann ich meinen Kredit umschulden?

Es gibt grundsätzlich 2 Möglichkeiten: Sie bleiben Ihrer bisherigen Bank treu, und vereinbaren mit ihr ein neuen Kredit zu günstigeren Zinsen. Oft gibt es jedoch woanders bessere Konditionen, sodass sich ein Wechsel der Bank für Sie lohnen kann. In dem Fall sollten Sie zunächst über einen Vergleich die beste Möglichkeit herausfinden. Für die Umschuldung Ihrer Baufinanzierung bieten z.B. diese Banken attraktive Zinsen.

Wann ist eine Umschuldung sinnvoll?

Eine Umschuldung ist immer dann sinnvoll, wenn Sie bei einem neuen Kredit im Vergleich zum alten signifikant Geld sparen. Die folgenden Argumente sprechen dafür:

  • Ihre neue Kreditrate ist (bei gleicher Kreditsumme und gleicher Laufzeit) deutlich niedriger als die alte.
  • Sie haben Ihren Dispokredit oder den Verfügungsrahmen Ihrer Kreditkarte überzogen. Mit einem günstigen Ratenkredit lassen sich die Schulden leichter zurückzahlen.
  • Sie haben das Darlehen für Ihr Haus schon vor langer Zeit – wahrscheinlich zu deutlich höheren Zinsen aufgenommen.
  • Ihre Bonität hat sich verbessert, z.B. durch ein höheres Einkommen. Sie erhalten somit niedrigere Zinsen, wenn Sie Ihren bestehenden Kredit umschulden.
  • Sie möchten mehrere Kredite zu Einem zusammenlegen. So gewinnen Sie einen besseren Überblick über Ihre Finanzen.

Wann berechnet die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung?

Bei einer vorzeitigen Kündigung erleidet die Bank einen finanziellen Schaden. Denn sie muss nun auf einen Teil der Zinseinnahmen verzichten, welche sie bei einer normalen Fortführung erhalten hätte. Um diesen Zinsverlust auszugleichen, darf die Bank unter bestimmten Voraussetzungen eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung vom Kunden verlangen:

  • Dispo: Die Bank muss Rückzahlungen des Kunden annehmen, und darf hierfür keine Kosten berechnen.
  • Ratenkredit: Bei einem Abschluss vor dem 11.06.2010 richtet sich die Höhe der Entschädigung nach der getroffenen Vereinbarung im Kreditvertrag. Wurde der Vertrag nach dem 11.06.2010 abgeschlossen, darf die Bank höchstens 1 Prozent des im Moment der Umschuldung ausstehenden Restbetrags verlangen. Beträgt die restliche Laufzeit weniger als 12 Monate, sind sogar nur 0,5 Prozent erlaubt.
  • Baufinanzierung: Hier gibt es keine gesetzlich festgeschrieben Höchstbeträge. Die Bank darf die Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe des tatsächlichen Zinsschadens festlegen. Der Kunde muss also letztlich entscheiden, ob eine Umschuldung unter Berücksichtigung der Kosten sinnvoll ist.

Alten Kredit kündigen – wie geht das?

Ein Dispo- oder Abrufkredit kann ohne Formalitäten durch eine einfache Einzahlung oder Überweisung zurückgezahlt werden, ohne dass eine Kündigung notwendig ist. Bei anderen Darlehen ist in der Praxis der folgende Ablauf üblich:

Ablauf der Kündigung

  • 1. Der Kunde teilt der Bank in einem Zweizeiler den Kündigungswunsch schriftlich mit.
  • 2. Die Bank errechnet die restliche Kreditsumme, die noch fälligen Zinsen sowie eventuell eine Vorfälligkeitsentschädigung.
  • 3. Sie teilt dem Kunden die fällige Gesamtsumme sowie den Termin für die Rückzahlung mit.
  • 4. Der Kunde überweist den ausstehenden Betrag auf das Darlehenskonto.

Noch ein paar Tipps zum Abschluss

Eine Umschuldung funktioniert heutzutage recht simpel. Dennoch sollten Verbraucher auf einige Punkte achten.

  • Voraussetzung: Bei einer Umschuldung gelten im Prinzip dieselben Bedingungen wie bei einer Neuaufnahme. Wer einen Kredit aufnehmen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
  • effektiver Jahreszins: Dieser beinhaltet die tatsächlichen Kosten, und dient als Vergleichswert.
  • Konditionen: Entscheidend sind die Zinsen aus Ihrer verbindlichen Konditionenanfrage, nicht die aus der Werbung. Gerade bei Antragstellern mit durchschnittlicher Bonität kann der Zinssatz erheblich abweichen.
  • Restschuldversicherung: Einige Bankberater versuchen Ihren Kunden eine Restschuldversicherung zu vermitteln. Die Versicherungsprämie kann die monatliche Rate erheblich verteuern. Rechnen Sie genau nach!
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