Zinsen für Dispokredite werden günstiger

Grafik zu Dispozinsen zu hochFür Bankkunden ist es ärgerlich, wenn das Konto ins Minus rutscht. Schließlich fallen dann Kosten für den Dispokredit an. Doch die gute Nachricht für Verbraucher lautet: Kontoüberziehungen werden billiger. Doch das alte Problem bleibt: Geldinstitute geben sinkende Zinsen nicht im gleichen Maße an die Kunden weiter wie steigende Zinssätze.


Banken senken Dispozinsen

In der Vergangenheit haben Banken die eigenen Dispozinsen wenig oder gar nicht dem ansonsten niedrigen Zinsniveau angepasst. Dies hat sich zu Beginn dieses Jahres zumindest teilweise geändert. Während die Kreditinstitute zu Jahresbeginn 2016 ihren Kunden im Schnitt noch 10,60 Prozent berechnet haben, liegt der durchschnittliche Zinssatz Mitte des Jahres bei 9,48 Prozent. Zu den „kundenfreundlichen“ Geldinstituten gehören etwa die Deutsche Kreditbank, welche den Zinssatz von 7,50 auf 6,90 Prozent gesenkt hat. Das gleiche gilt für die Santander Bank, die für die Kontoüberziehung aktuell nur 7,49 Prozent verlangt. Offensichtlich setzt der Markt die Kreditinstitute unter Druck. Denn Anfang Juli haben auch zahlreiche kleine und regionale Banken und Sparkassen damit begonnen, die Zinsen anzupassen.

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Unklare Regelungen für Zinsänderung

Verbraucherschützer kritisieren, dass zahlreiche Banken und Sparkassen ihre Kunden bei der Berechnung der Kosten benachteiligen, wenn das Girokonto überzogen wird. Auch wird bei vielen Geldinstituten nicht transparent erklärt, wann und unter welchen Bedingungen der Zinssatz angepasst wird. Dies erläutert Carmen Friedrich, Leiterin des zuständigen Teams des „Marktwächters Finanzen“ in der Verbraucherzentrale Sachsen. Hierbei handelt es sich um ein bundesweites Netzwerk, welches von den Verbraucherzentralen unterhalten wird. Bereits im November hatten Friedrich und ihr Team eine Studie zur Werbung für mehr als 1.300 Girokonten bei 371 Sparkassen und Banken vorgestellt. Dabei haben die Verbraucherschützer nur bei insgesamt 32 Geldinstituten belastbare und klare Regelungen zum Zinssatz beim Dispokredit festgestellt. Jedoch seien gut gebündelte und leicht zu findende Informationen gerade angesichts der zahlreichen Angebote im Internet umso wichtiger.

Banken verstoßen gegen eigene Zinsregeln

Doch auch bei den 32 Geldinstituten mit transparenten Regelungen wird nach Meinung der Verbraucherschützer nicht immer im Sinne der Kunden gehandelt. Carmen Friedrich sagt dazu: „Acht der Kreditinstitute verstoßen gegen die eigenen Zinsanpassungsregeln, indem sie diese nicht anwenden.“ Stattdessen würden die Geldinstitute das Thema Zinsanpassung untätig aussitzen. Insgesamt ist das Überziehen des Kontos allerdings in den vergangenen Jahren angesichts des generellen Zinstiefs trotzdem günstiger geworden. Wie die Finanzberatung FMH aus Frankfurt festgestellt hat, wird von deutschen Banken im Schnitt aktuell ein Zinssatz von 9,48 Prozent für die Kontoüberziehung verlangt. Vor rund fünf Jahren lag der Durchschnitt hingegen noch bei 11,39 Prozent.

Tipp: die Höhe des Dispozins einer Bank ist im Preisaushang im Eingangsbereich der Filiale sowie auf der Webseite des jeweiligen Kreditinstitutes einsehbar.

Sinkende Zinsen kommen nicht beim Verbraucher an

Von Verbraucherschützern wird schon seit Jahren kritisiert, dass Geldinstitute die sinkenden Zinssätze nicht im gleichen Maße an die Kunden weitergeben, wie steigende Leitzinsen. Dazu sagt Carmen Friedrich: „Kreditinstitute passen den Sollzinssatz über Monate oder gar Jahre hinweg nicht an. Der Zins für die Überziehung wird somit von der Marktentwicklung abgekoppelt, es entsteht eine parallele Zinswelt.“ Und weiter: „die betreffenden Kreditinstitute werden von uns angeschrieben, und darauf aufmerksam gemacht. Unter Umständen werden dann noch weitere rechtliche Schritte folgen, je nachdem wie sich die Bank zukünftig positioniert.“

Stärkere Kontrollen angekündigt

Weil die Banken nur verzögert auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank reagieren, hat Elisabeth Roegele – Exekutivdirektorin bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – bereits im Mai angekündigt, die Geldinstitute bezüglich ihrer Zinspolitik stärker kontrollieren zu wollen. Der Grund: zahlreiche Kreditnehmer hatten sich laut eines Berichts der Wirtschaftswoche bei der Aufsichtsbehörde darüber beschwert, dass die Darlehenszinsen für Dispokredite nach wie vor zu hoch sind. Unter die Lupe genommen wurden zunächst einmal Direktbanken, staatliche Förderbanken und Autobanken.

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Willkür statt Transparenz

Im Online-Angebot von vier der 32 Banken suchen die Kunden nach der Erkenntnis der Verbraucherschützer allerdings vergeblich nach Infos zu den Anpassungsregeln: sie geben – wie der Großteil der im Jahr 2015 untersuchten Banken – nicht alle für den Verbraucher relevanten Informationen preis. Bei einigen Banken ist sogar Willkür bei der Gestaltung des Zinssatzes erkennbar. Ein Geldinstitut wurde deshalb sogar abgemahnt, weil es den Zinssatz „nach billigem Ermessen hebt oder senkt“, was für die Verbraucherschützer einen Verstoß gegen das Transparenzgebot gemäß Paragraph 307 BGB darstellt. Deshalb fordern diese erneut einheitliche gesetzliche Regelungen, um die Bedingungen der Banken für den Dispo transparenter zu gestalten. Sie fordern, dass eine monatliche Anpassung der Zinssätze nach für alle Banken verbindlichen Regeln vom Gesetzgeber vorgeschrieben wird.

Bankenverband verteidigt Zinspolitik

Die Dachorganisation der Bankenverbände, die Deutsche Kreditwirtschaft, erklärt dazu: „Banken und Sparkassen müssen jederzeit den Geldbetrag auf Vorrat bereithalten, den der Kunde möglicherweise im Rahmen seines Dispositionskredites in Anspruch nimmt. Und dieser Service kostet. Zudem sei dieser Kredit schließlich auch nur für einen kurzfristigen und flexiblen Einsatz gedacht“.

So können sich Verbraucher wehren

Mit der Bank über den Zinssatz zu verhandeln ist zwecklos. Denn die Zinsen für den Dispo sind für alle Kunden gleich. Wem die Kosten zu hoch sind, hat jedoch gleich mehrere Möglichkeiten der Zinsfalle zu entkommen. So lohnt sich in einigen Fällen ein Wechsel der Bankverbindung oder die Nutzung von Alternativen. Wer bei seiner Bank bereits tief in der Kreide steht, sollte seinen alten Kredit vorzeitig zu günstigeren Konditionen umschulden.

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