Unberechtigte Forderung abwehren – so geht es richtig

Abwehr einer unberechtigten ForderungOb gefakte Emails, dubiose Rechnungen oder Mahnungen per Inkasso: Nahezu jeder hat schon einmal Bekannschaft mit einer Zahlungsanweisung der eher unfreundlichen Art gemacht. Doch ein Großteil dieser Schreiben wird im Auftrag unseriöser Unternehmen verbreitet, um arglose Verbraucher um ihr Geld zu bringen. Wir erläutern, wie Sie eine unberechtigte Forderung erkennen, und erfolgreich abwehren können.


Überprüfung: kann diese Forderung überhaupt existieren?

Prüfen Sie im ersten Schritt, ob die Forderung tatsächlich unbegründet ist. Denn davon hängt die weitere Vorgehensweise ab. Die erste Frage als Betroffener lautet also: Schulde ich tatsächlich jemandem Geld, und kann es diese Rechnung demnach überhaupt geben? Stellen Sie sich am besten die folgenden Fragen:

  • Stand ich in Kontakt zu diesem Unternehmen?
  • Kann ich mich an einen Kauf oder eine Bestellung etc. erinnern?
  • Liegt der Vorgang vielleicht schon ein paar Wochen / Monate zurück?
  • Kann eine andere in meinem Haushalt lebende Person der Auftraggeber sein?
  • Bei Bestellung in einem Online-Shop: Oft heisst die Betreiberfirma anders als der Shop selbst
  • Kommt die Forderung von einem Inkasso-Unternehmen: Kenne ich den Auftraggeber?

Wichtig: niemals voreilig zahlen!

Sind Sie sich sicher, mit dem Unternehmen nichts zu tun zu haben, lautet klare die Anweisung: Niemals die Rechnung voreilig bezahlen! Denn ein späteres „Zurückholen“ des Geldes ist bei unseriösen / nicht erreichbaren Anbietern in der Praxis eher schwierig. Haben Sie die Rechnung bereits bezahlt, wird die Begleichung entgegen vieler Aussagen jedoch rechtlich nicht als Schuldeingeständnis gewertet. Eine zuvor unberechtigte Forderung wird dadurch also nicht legitimiert.

Welche Zahlungsaufforderungen kann ich ignorieren?

Einige Zahlungsaufforderungen können Sie getrost ignorieren. Das gilt z.B. für offensichtliche Spam Mails. Oft wird in solchen Mails lediglich auf „Ihre Bestellung vom xx.yy.zzzz“ verwiesen. Es wird nicht erwähnt, was Sie angeblich bestellt oder gekauft haben. Typisch sind auch zahlreiche Fehler im Text oder dubiose ausländische (Mail)-Adressen, die keinem Unternehmen zugeordnet werden können. Ebenso ignorieren können Sie Faxe oder postalische Anschreiben, die auf die gleiche Art und Weise erstellt wurden.

Wie unterscheide ich Spam von einer richtigen Rechnung?

Doch wie genau unterscheide ich nun Fake-Schreiben von ernstzunehmenden Forderungen? Sie können z.B. im Internet recherchieren, ob es das Unternehmen überhaupt gibt. Finden Sie keine Webseite oder keinen Eintrag in den Suchergebnissen, ist das schon ein deutlicher Hinweis auf eine Fälschung. Häufig kommen solche Schreiben oder Mails von (angeblich) existierenden Unternehmen, wie z.B. Paypal, Amazon oder der Telekom. Korrekte Rechnungen müssen jedoch bestimmte Inhalte aufweisen, woran die meisten SPAM-Versender scheitern. Einen Überblick gibt die folgende Auflistung:

  • korrekte Anschrift / Absender des Unternehmens
  • Ihre Anschrift in korrekter Form
  • genaue Bezeichnung und Menge der in Rechnung gestellten Lieferung oder Dienstleistung
  • Zeitpunkt / Zeitraum der Lieferung oder Leistung
  • fortlaufende Rechnungsnummer
  • Ihre Kundennummer
  • Steuernummer des Rechnungsstellers sowie Hinweis auf die Umsatzsteuer
  • Ausstellungsdatum der Rechnung
  • Bankverbindung des Versenders

So können Sie unberechtigte Forderungen abwehren

Wenn die Rechnung von einem tatsächlich existierenden Unternehmen stammt, und zudem formal korrekt erscheint, sollten Sie sich der Sache grundsätzlich annehmen. Die Frage lautet jedoch, zu welchem Zeitpunkt Sie reagieren, und die unberechtigte Forderung abwehren sollten.

Stufe 1: Eingang einer Rechnung

Auf eine einfache Rechnung – insofern die dahinter stehende Forderung unberechtigt ist – müssen Sie zwar nicht zwingend reagieren. Es ist jedoch empfehlenswert, da es sich eventuell nur um ein Missverständnis handelt. Eventuell hat ein Unternehmen aus technischen Gründen fehlerhafte Rechnungen verschickt, und Sie sind nur versehentlich in den Verteiler geraten. Reagieren Sie also zunächst mit einem freundlichen Anruf, und weisen Sie den Absender auf den Sachverhalt hin. Wenn es sich um eine seriöse Firma handelt, hat sich die Sache wohl in diesem Moment erledigt. Besteht das Unternehmen allerdings auf der unberechtigten Forderung, sollten Sie nun Widerspruch einlegen. Wichtig ist dabei die korrekte Vorgehensweise. Viele Möchtegern-Gläubiger geben an dieser Stelle auf, da sie eine entschlossene Gegenwehr des Verbrauchers nicht eingeplant haben.

So formulieren Sie einen korrekten Widerspruch

  • Ein Widerspruch sollte immer schriftlich erfolgen.
  • Erklären Sie darin, dass Sie die Rechnung bis zur Klärung des Sachverhalts nicht bezahlen werden.
  • Begründen Sie so ausführlich wie möglich, warum Sie die Forderung nicht anerkennen.
  • Fordern Sie den Gläubiger dazu auf, die Forderung zu überprüfen und zu korrigieren.
  • Fordern Sie den Adressaten zudem zu einer Erklärung auf, warum ihm das Geld angeblich zusteht.

Stufe 2: Eingang einer Mahnung

Mit einer Mahnung setzt Sie das Unternehmen in Verzug. Zwingend erforderlich ist die Mahnung jedoch nicht. Sie geraten automatisch in Verzug, wenn Sie die in der Rechnung genannte Zahlungsfrist verstreichen lassen. Üblich ist aber, dass Unternehmen ihre Forderung anmahnen, bevor sie ein gerichtliches Mahnverfahren betreiben. Wenn man es ganz genau nimmt, und Sie sehr gute Nerven haben, müssten Sie an dieser Stelle immer noch nicht reagieren. Empfehlenswert ist jedoch auch hier, Kontakt zum Gläubiger aufzunehmen. Denn auch die Mahnung kann versehentlich verschickt worden sein. Andernfalls sollten Sie dem Ersteller der Mahnung mitteilen, dass Sie die Forderung bestreiten, siehe Widerspruch oben.

Was tun, wenn die Mahnung von einem Inkassounternehmen kommt?

Zunächst heisst es: 1. sich nicht davon beeindrucken lassen, und 2. Ruhe bewahren. Denn formal spielt es kein Rolle, ob der Rechnungssteller die Mahnung selbst verschickt, oder ein Inkassounternehmen damit beauftragt. Denn das Inkasso ist lediglich ein Dienstleister, der Ihnen gegenüber nicht mehr Rechte hat als der Rechnungssteller selbst. Daran ändert sich auch nichts, wenn Ihnen mit hohen Kosten, einem Schufaeintrag oder einer Kontopfändung gedroht wird. Zu diesem Zeitpunkt sind solche Formulierungen nichts als zahnlose Papiertiger. Jedoch: Inkassounternehmen machen sich meist nicht die Mühe zu überprüfen, ob die Forderung des Auftraggebers berechtigt ist. Deswegen ist es unbedingt notwendig, auf das Schreiben mit einem entsprechenden Widerspruch (siehe oben) zu reagieren. Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Inkasso-Forderung abwehren.

Stufe 3: Eingang eines Mahnbescheids

Auch das Gericht prüft vor dem Erlassen des Mahnbescheids nicht, ob die Forderung berechtigt ist. Jetzt müssen Sie zwingend reagieren, und dem Mahnbescheid widersprechen. Dabei ist die im Bescheid genannte Frist unbedingt einzuhalten. Der passende Vordruck für den Widerspruch liegt dem Mahnbescheid bei. Wichtig ist, dass Sie auf diesem Vordruck stets die Option ankreuzen, dass Sie der Forderung insgesamt widersprechen. Ansonsten wird der unbestrittene Teil der Forderung vollstreckbar, und kann zum Beispiel auch der Schufa gemeldet werden. Die Chance auf eine gütliche Einigung ist damit vertan. Weil der Mahnbescheid nicht mit einer Prüfung der Rechtmäßigkeit der Forderung verknüpft ist, brauchen Sie dem Widerspruch auch keine Begründung hinzuzufügen – niemand beim Gericht würde sie lesen! Rechtlichen Beistand brauchen Sie streng genommen nur dann, wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Forderung begleichen, oder ihr widersprechen sollten. Trauen Sie sich die Sache an dieser Stelle nicht mehr selbst zu, suchen Sie im Zweifel lieber einen Anwalt auf!

Stufe 4: Erhebung der Klage

Erhebt der Rechnungssteller nach Ihrem Widerspruch gegen den Mahnbescheid tatsächlich Klage, ist spätestens jetzt der Gang zum Anwalt Pflicht. Dubiose Forderungen erledigen sich meist sofort, sobald der erste Brief vom Anwalt verschickt wird. Andernfalls haben Sie nun den Profi an Ihrer Seite, der die richtigen Schritte unternimmt. Eine kurze Erstberatung ist bei vielen Anwälten kostenfrei. Sollte der Anwalt für Sie den Schriftverkehr mit dem Forderungssteller übernehmen, müssen Sie die entstehenden Kosten zunächst selbst tragen. Ihnen steht hierfür meist ein Anspruch auf Schadensersatz zu. Auch hierzu wird Sie Ihr Anwalt beraten.

Hinweis: Es handelt sich hierbei nicht um eine Rechtsberatung. Beauftragen Sie im Zweifel immer einen Rechtsanwalt.
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