P-Konto Freibetrag – wie hoch ist er, und wie kann ich ihn erhöhen?

So hoch ist der Freibetrag beim P-KontoDer Basispfändungsschutz beträgt im Jahr 2018 1133,80 Euro pro Kalendermonat. Zusätzliche Freigrenzen können gegen Vorlage bestimmter Bescheinigungen oder auf gesonderten Antrag freigegeben werden.

➥ Das Wichtigste auf einen Blick

  • 1. Auf einem P-Konto gibt es einen pauschalen Basisschutz in Höhe von 1.133,80 Euro pro Kalendermonat.
  • 2. Ist die Person unterhaltspflichtig, können weitere Pauschalbeträge auf Nachweis freigegeben werden.
  • 3. Bei außergewöhnlichen Belastungen können individuelle Freibeträge beantragt werden.

Wie hoch ist der Freibetrag beim P-Konto?

Die gesamte Höhe richtet sich nach der familiären Situation, und welche zusätzlichen Kosten vom Schuldner nachgewiesen werden. Wir berechnen den Gesamtbetrag anhand eines Beispiels einer Familie mit 3 Kindern. Der Familienvater hat einen längeren Arbeitsweg, und es werden spezielle Medikamente benötigt.

Basispfändungsschutz

Der Familienvater beantragt für sich den Basispfändungsschutz in Höhe von 1.139,99 € pro Monat (Stand 2018).

Basispfändungsschutz
1.139,99 €

Unterhaltsfreibetrag

Mit jedem unterhaltsberechtigten Familienmitglied steigt das unpfändbare Einkommen an. Hat der Schuldner z.B. eine Unterhaltspflicht gegenüber seinem Ehepartner, lässt sich der P-Konto Freibetrag um 430 € auf insgesamt 1.569,99 € anheben. Bestehen darüber hinaus weitere Verpflichtungen z.B. für ein oder mehrere Kinder, steigt der vor Pfändung geschützte Betrag um weitere 230 € pro Person an. Den Unterhaltsfreibetrag gibt es für bis zu 5 Personen. In unserem Beispiel hat die Familie wie oben schon erwähnt 3 Kinder.

Unterhalt für Ehepartner und 3 Kinder
  • Basispfändungsschutz in Höhe von 1.139,99 €
  • + Unterhalt für 4 Personen: 1120,00 €
  • Gesamt: 2.259,99 €

Kindergeld

Der Bezug von Kindergeld darf ebenfalls nicht gepfändet werden. Für das erste und zweite Kind gibt es im Jahr 2018 194 Euro, für das dritte Kind werden 200 Euro gezahlt. So lässt sich z.B. bei 3 Kindern der Freibetrag auf dem P-Konto erhöhen:

Kindergeld für 3 Kinder
  • Basispfändungsschutz in Höhe von 1.139,99 €
  • + Unterhalt für 4 Personen: 1120,00 €
  • + Kindergeld für 3 Kinder: 588,00 €
  • Gesamt: 2847,99 €

Außergewöhnliche Belastungen

Bei Vorliegen außergewöhnlicher Belastungen welche den finanziellen Spielraum des Schuldners regelmäßig einschränken, kann der Schuldner bei Gericht gesonderte Anträge stellen. Dazu zählen unter anderem erhöhte Aufwendungen für Medikamente, medizinische Hilfsgeräte oder ein längerer Anfahrtsweg zur Arbeit. Das Amtsgericht Neustadt erkannte im Jahr 2011 in einem Urteil einem Schuldner auf Antrag die Fahrtkosten bereits bei einem einfachen Arbeitsweg von mehr als 20 km als außergewöhnliche Belastung an. In unserem Beispiel beantragt die Familie weitere unpfändbare Beträge in Höhe von 200 Euro für Medikamente und 150 Euro für den Arbeitsweg des Vaters..

Arbeitsweg und Medikamente
  • Basispfändungsschutz: 1.139,99 €
  • + Unterhalt für 4 Personen: 1120,00 €
  • + Kindergeld für 3 Kinder: 588,00 €
  • + Arbeitsweg: 150,00 €
  • + Medikamente: 200,00 €
  • Gesamt: 3197,99 €

Im Ergebnis kann ein Haushalt schon mal über 3.000 Euro an Einkommen erzielen, welches nicht gepfändet werden darf. Die Höhe der Pfändungsfreigrenze wird alle zwei Jahre an die allgemeine Preisentwicklung angepasst.

Was ist ein Pfändungsfreibetrag?

Der Pfändungsfreibetrag ist die Höhe des Einkommens einer Person, auf die der Gläubiger im Falle einer Pfändung keinen Zugriff hat. Oder kurz gesagt: der Teil des Einkommens der nicht gepfändet werden darf. Er besteht aus einem Grundfreibetrag für alleinstehende Personen sowie aus zusätzlichen Freibeträgen, wenn die Person unterhaltspflichtig ist, oder außergewöhnliche Belastungen geltend macht.

Hinweis: Um den pfändungsfreien Betrag vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen, kann der Schuldner ein sogenanntes Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto eröffnen. Hierüber wird das Mindesteinkommen pauschal geschützt, ohne dass ein gesonderter Antrag bei Gericht gestellt werden muss.

Welche unpfändbaren Beträge gibt es?

Entnehmen Sie bitte der folgenden Tabelle, welche Freigrenzen bei einem Pfändungsschutzkonto genutzt werden können. Angaben zur jeweiligen Höhe finden Sie im nachfolgenden Abschnitt.

Basispfändungsschutz
Pauschalbeträge per Bescheinigung
Außergewöhnliche Belastungen
Dieser gilt standardmäßig, wenn keine weiteren Bescheinigungen vorliegen, oder Anträge gestellt werden.
Ist die Person unterhaltspflichtig, lässt sich der Pfändungsschutz gegen Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung erhöhen.
Zusätzliche individuelle Freibeträge gibt es auf Antrag beim Gericht, z.B. bei einem längeren Arbeitsweg oder nachgewiesenen Krankheitskosten.

So erhöhen Sie die Freigrenze

Schuldner können von diversen unpfändbaren Einkommensbestandteilen profitieren, und so zusätzliche Gelder dem Zugriff der Gläubiger entziehen. Hierzu muss der Kontoinhaber jedoch selbst aktiv werden. Um in den Genuss der Unterhaltsfreibeträge zu kommen, müssen der Bank entsprechende Bescheinigungen vorgelegt werden. Wer zusätzliche Belastungen anbringen möchte, muss hierzu einen gesonderten Anrtrag beim Vollstreckungsgericht stellen. Die Kosten für medizinische Hilfsmittel oder die Anfahrt zur Arbeitsstelle sind dort entsprechend nachzuweisen. Anträge auf außergewöhnliche Belastungen werden individuell geprüft, es kommt also nicht zu einer pauschalen Freigabe.

Hier bekommen Sie die Bescheinigung

Zu bekommen sind diese entweder beim Arbeitgeber oder bei den Stellen, die für die Auszahlung von Sozialleistungen zuständig sind. Alternativ sind auch Rechtsanwälte und Schuldnerberatungsstellen zur Ausstellung entsprechender Nachweise berechtigt, siehe auch folgende Auflistung.

  • Arbeitgeber
  • Steuerberater
  • Rechtsanwälte
  • Schuldnerberatung
  • Sozialamt (z.B. bei Hartz-4-Bezug)
  • Familienkasse (z.B. bei Kindergeld)
Wird die Ausstellung von wichtigen Bescheinigungen von den betreffenden Stellen verweigert oder sträubt sich die Bank gegen deren Anerkennung, besteht die Möglichkeit beim zuständigen Vollstreckungsgericht einen Antrag auf Anerkennung zu stellen.

Liegen die monatlichen Einnahmen eines Schuldners regelmäßig unter der persönlichen Freigrenze, wird die Führung des P-Kontos deutlich weniger aufwendig. In diesem Fall sollte bei Gericht gegen Vorlage der entsprechenden Kontoauszüge eine„ Anordnung der Unpfändbarkeit“ beantragt werden. Wird diese ausgestellt, laufen alle Pfändungen auf diesem Konto für einen Zeitraum von 12 Monaten ins Leere. Für die Bank besteht in dieser Zeit keine Verpflichtung zur Überwachung der Eingänge sowie der Freigrenzen.

4 Gedanken zu „P-Konto Freibetrag – wie hoch ist er, und wie kann ich ihn erhöhen?“
  1. Hallo,

    ich hatte kürzlich eine Pfändung, und nutze daher das P-Konto. Was ist wenn mein Kontostand den Freibetrag überschreitet, aber aktuell gar keine Pfändung vorliegt? Kann ich das überschießende Geld normal nutzen, oder wird es von der Bank gesperrt?

    Danke für Ihre Hilfe

    1. Hallo,

      das Konto wird – soweit mir das bekannt ist – von der Bank nur gesperrt, wenn eine konkrete oder regelmäßige Anfrage von einem Gläubiger vorliegt. Liegt aktuell nichts vor, können Sie Ihr Girokonto auch über den Pfändungsfreibetrag hinaus ganz normal nutzen. Einzige Einschränkung: solange Sie Pfändungsschutz haben, können Sie nur im Guthaben verfügen.

      Viele Grüße

  2. Hallo,

    ich lebe in Uruguay. Meine Rente geht auf ein Konto in Deutschland, und wird von dort auf auf mein Konto hierher überwiesen. Habe vor kurzem eine Aufforderung zur Zahlung von 4500,-Euro erhalten. Angeblich eine Vollstreckungsmaßnahme aus dem Jahre 2001. Mir ist nicht bewusst, um was es sich handelt. Der Absender GFKL gab auch keine genauere Erklärung ab. Habe mein Konto sofort auf ein P-Konto umgestellt ohne Probleme seitens der Bank.

    Wortlaut des Schreibens: Daher werden wir die Einleitung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen Sie prüfen, insbesondere auch eine Kontopfändung. Eine Kontopfändung bedeutet für Sie, dass keine Überweisung von ihrem Konto mehr durchgeführt wird. Auch sind keine Lastschrifteinzüge möglich, es wird kein Dauerauftrag ausgeführt, ebenso ist keine Barauszahlung von Ihrem Konto möglich. Frage: ist das wirklich so? Wird der Dauerauftrag der Überweisung meiner Rente welche zur Zeit 964,-Euro beträgt unterbrochen, wenn bei der Bank eine Pfändung eingeht?

    Freue mich auf die Antwort eines Experten.
    Grüße aus Uruguay

    1. Hallo,

      Sie können innerhalb des geschützten Freibetrags ganz normal über Ihr Konto verfügen. Das bedeutet: Sie können weiterhin ganz normal Bargeld abheben, Überweisungen tätigen, und Daueraufträge ausführen. Was in dem Schreiben steht, stimmt meiner Ansicht nach nicht. Meinten Sie wirklich das Jahr 2001 oder doch eher 2011? Lassen Sie die Forderung von einem Fachanwalt auf ihre Rechtmäßigkeit sowie eventuelle Fristen bezüglich einer Verjährung überprüfen.

      Viele Grüße

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