Konto überziehen: wann und wie (weit) ist das möglich?

So überziehen Sie Ihr KontoNicht immer lassen sich alle Ausgaben exakt planen. So kann es vorkommen, dass mal kein Geld mehr auf dem Konto ist, das nächste Gehalt jedoch noch auf sich warten lässt. In dem Moment stellt sich häufig die Frage: Was passiert, wenn ich jetzt mein Girokonto überziehe? Woher weiß ich ob das möglich ist? Wenn ja, wie weit kann ich das Limit beanspruchen? Wir erläutern, wie es funktioniert, und was zu beachten ist.


➥ Das Wichtigste auf einen Blick

  • 1. Wer sein Konto überziehen möchte, benötigt hierfür einen Dispokredit bei seiner Bank. Dieser ist eventuell schon eingerichtet, ansonsten kann man ihn beantragen.
  • 2. Einmal eingerichtet, lässt sich der Dispo flexibel bis zum vereinbarten Betrag nutzen. Es wird zwischen einer genehmigten und einer geduldeten Kontoüberziehung unterschieden.
  • 3. Für die Nutzung werden Zinsen fällig, die je nach Kreditinstitut unterschiedlich hoch sein können.

Kontoüberziehung: wie geht das?

Der Begriff Kontoüberziehung bedeutet: „Mehr Geld abzuheben, als Guthaben auf dem Konto vorhanden ist“. Hat z.B ein Girokonto ein Guthaben in Höhe von 500 Euro, man hebt jedoch 700 Euro ab, ist das Konto mit 200 Euro überzogen. Man verfügt also über 200 Euro, die der Bank gehören. Damit die Bank ihrem Kunden eine Überziehung gewährt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, siehe nächster Abschnitt.

Woher weiß ich, ob ich mein Konto überziehen kann?

Eine Kontoüberziehung ist i.d. Regel dann möglich, wenn Ihnen die Bank einen sogenannten Dispokredit (Was ist ein Dispokredit) auf Ihrem Girokonto eingerichtet hat. Ob für Sie ein Dispo eingerichtet wurde, sehen Sie auf Ihrem Kontoauszug, im Account Ihres Online-Bankings, oder durch Nachfragen bei Ihrem Kundenberater. Sind Sie z.B. Online-Kunde bei der Sparkasse, finden Sie den Hinweis in der Kontenübersicht unter Details im „Finanzstatus“.

Warum kann ich mein Konto nicht überziehen?

Ist eine Verfügung über das Guthaben hinaus nicht möglich, kann dies unterschiedliche Gründe haben, siehe folgende Auflistung. Um den genauen Grund zu erfahren, sollten Sie jedoch direkt bei der Bank nachfragen.

  • Auf dem Girokonto wurde noch kein Dispo eingerichtet, oder die Bank hat den beantragten Dispo nicht genehmigt.
  • Sie haben das eingeräumte Limit bereits erreicht oder überschritten.
  • Die Bank hat den Dispo gekürzt oder gestrichen, da Sie inzwischen über weniger Einkommen verfügen.
  • Das Girokonto wird als reines Guthabenkonto geführt.

Wie weit kann ich mein Konto überziehen?

Wie weit Sie Ihr Konto überziehen können, legt die Bank anhand eines Limits fest. Das Limit ist ein Betrag, bis zu dem Sie Geld abheben können, ohne dass sich Guthaben auf dem Konto befindet. Wie hoch der Betrag sein darf, hängt von der Höhe Ihres Einkommens ab. Das zwei- bis dreifache Ihres Nettoeinkommens dient als Orientierung. Beträgt Ihr Nettoeinkommen z.B. 2.500 Euro, wird Ihnen die Bank i.d.Regel einen Dispokredit zwischen 6.000 und 8.000 Euro einräumen.

Girokonto überziehen ohne Dispo: Wie geht das?

Ein Girokonto zu überziehen, ohne dass ein Dispo eingerichtet wurde, ist nur in Ausnahmefällen möglich. Man spricht hier von einer geduldeten Überziehung. Die Bank kann die Verfügung erlauben, ist jedoch dazu nicht verpflichtet. Ebenfalls um eine geduldete Überziehung handelt es sich, wenn die Bank zwar einen Dispo eingeräumt hat, der Kunde jedoch das vereinbarte Limit überschreitet. Hiervon ist jedoch dringend abzuraten, und das aus zwei Gründen:

  • 1. Die Zinsen für eine geduldete Überziehung sind sehr hoch.
  • 2. Genehmigt die Bank die Verfügung nicht, können teure Mahngebühren (z.B. bei Lastschriften) anfallen.

Kosten und Zinsen

Die Kontoüberziehung ist eine Dienstleistung, welche sich die Bank in Form von Zinsen vergüten lässt. Der Zins ist sozusagen die Gebühr für das geliehene Geld. Der Dispokredit gehört zu den teuersten Krediten. Im bundesweiten Schnitt zahlen Kunden etwa 10 Prozent Zinsen für die Nutzung. Es gibt jedoch große Unterschiede. Raiffeisenbanken und Sparkassen verlangen schon mal gerne 12- 13 Prozent, während Direktbanken wie die InGDiba oder die DKB weniger als 7 Prozent aufrufen. Wer sein Konto regelmäßig überzieht, sollte unbedingt auf die Höhe der Dispozinsen achten.

Unterschied: Sollzins und Überziehungszins

Unter dem Sollzins versteht man den Zinssatz, den die Bank normalerweise für die Nutzung des Dispokredit verlangt. Davon zu unterscheiden ist der Überziehungszins, welcher bei einer geduldeten Überziehung zusätzlich anfällt. Er liegt bei den meisten Banken etwa 5 Prozentpunkte oberhalb des Sollzins.

Beispiel: Sie haben einen Dispokredit in Höhe von 1.000 Euro. Sie stehen jedoch mit Ihrem Konto mit 1.200 Euro im Minus. Für die 1.000 Euro wird der normale Dispozins fällig. Für die weiteren 200 Euro verlangt die Bank den erhöhten Überziehungszins.

Wie hoch sind die Kosten für meinen Dispo?

Den Zinssatz Ihres eigenen Dispos finden Sie z.B. im Account Ihres Online-Bankings. Kreditinstitute veröffentlichen ihre Zinsen zudem auf ihrer Internetseite sowie im Preisaushang in der Filiale. Eine weitere Möglichkeit sich über die Kosten zu informieren, ist der Kontoauszug oder eine Anfrage beim Kundenberater.

Alternativen

Es gibt sicherlich günstigere Möglichkeiten sich Geld zu leihen als den Dispo. „Er eignet sich nur für kurzfristige Engpässe“, findet daher Dirk Stein vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. „Wer längerfristig Geld braucht, sollte lieber auf einen Ratenkredit zurückgreifen.“ Auch Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest rät, den Dispokredit nur im Notfall und nur für kurze Zeit in Anspruch zu nehmen. „Man sollte immer im Kopf haben, wie viel man dafür bezahlt.“ Eine weitere Alternative ist der Abrufkredit (Was ist ein Abrufkredit), welcher wie ein Dispo funktioniert, aber meist zu halben Preis angeboten wird. Einziges Manko: Es gibt ihn nur bei wenigen Banken, siehe Vergleich verschiedener Konditionen. Bei schlechterer Bonität kann auch ein Kredit von Privatpersonen sinnvoll sein.

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