Konto überziehen – alle Fakten, Zinsen und Alternativen

KontoüberziehungIst am Ende des Geldes noch viel Monat übrig, rutscht das Girokonto schon mal ins Minus. Banken räumen vielen Kunden hierfür einen bequemen Dispokredit ein. Doch eine Kontoüberziehung ist eine teure Angelegenheit. Worauf Verbraucher achten sollten.

Kontoüberziehung – was ist das?

Unter einer Kontoüberziehung versteht „man mehr Geld abzuheben, als Guthaben auf dem Konto vorhanden ist“. Hat z.B ein Girokonto ein Guthaben in Höhe von 500 Euro, der Nutzer hebt jedoch 700 Euro ab, ist das Konto um 200 Euro überzogen. Auf dem Girokonto besteht dann ein negativer Saldo. Zu einer Überziehung kommt es zum Beispiel dann, wenn zum Monatsende kein Geld mehr verfügbar ist, jedoch noch eine Rechnung bezahlt werden muss.

Ein Girokonto dient der Durchführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Darüber werden alle Einnahmen wie Gehalt, Rente und Unterhalt sowie alle Ausgaben wie Miete, Darlehensraten und Lebenshaltungskosten gebucht. Auch Bargeldabhebungen laufen über das Konto. Verfügt der Kontoinhaber über ein regelmäßiges Einkommen sowie eine gute Bonität bei der Schufa, wird dort meist ein Kreditrahmen – auch genannt Dispokredit – eingerichtet. Innerhalb des eingeräumten Limits darf der Kunde sein Girokonto überziehen.

Dispo einrichten – so geht´s

Wer bisher kein Dispokredit auf seinem Girokonto hatte, kann diesen nachträglich einrichten. Führt man das Konto per Onlinebanking, ist die Beantragung in der Regel direkt über das Internet möglich.

  • Im persönlichen Account ist dazu ein Online-Formular hinterlegt. Hier wird das gewünschte Kreditlimit eingetragen. Der Antrag wird danach mit einer Transaktionsnummer (TAN) bestätigt.
  • Die Bank führt daraufhin eine Kreditprüfung durch. Dabei untersucht sie die Kreditwürdigkeit des Kontoinhabers. In der Regel wird hierbei das Einkommen geprüft und eine Abfrage bei der Schufa vorgenommen.
  • Ist die Bonität ausreichend, wird der Kredit innerhalb von wenigen Bankarbeitstagen freigegeben. Der Kontoinhaber kann sein Konto ab sofort bis zum eingeräumtem Limit sein überziehen, ohne dass eine erneute Absprache mit der Bank notwendig ist.

Wer kann sein Girokonto überziehen?

Für eine Kontoüberziehung muss von der Bank ein Dispokredit eingeräumt sein. Die Bank muss den Dispo hierfür genehmigen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Überziehung des Kontos ist die Kreditprüfung durch die Bank. Im Rahmen der Kreditprüfung analysiert sie die Bonität des Kontoinhabers. Unter der Bonität versteht man die Kreditwürdigkeit. Hierzu gehört ein regelmäßiger Gehaltseingang sowie eine Schufa ohne negative Einträge. Ob die Schufa in Ordnung ist, prüft die Bank meistens durch eine Abfrage bei der Schufa. Dazu muss der Kontoinhaber seine Erlaubnis geben. In der Schufa sind Vorgänge gespeichert, die eine Auswirkung auf die Kreditfähigkeit des Schuldners haben. Dazu gehören bereits laufende Darlehen oder Kredite, Leasing- oder Mobilfunkverträge. Aus der Höhe des Gehaltseingangs, den Ausgaben sowie den Schufaeintragungen analysiert die Bank die Wahrscheinlichkeit, inwieweit der Kontoinhaber den beanspruchten Dispokredit zuverlässig zurückzahlen kann.

Warum kann ich mein Konto nicht überziehen?

Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe, siehe Beispiele unten. Um den genauen Grund zu erfahren, sollte eine Rückfrage bei der Bank erfolgen.

  • Auf dem Girokonto wurde noch kein Dispo eingerichtet.
  • Die Bank hat den beantragten Dispo nicht genehmigt oder nachträglich gesperrt.
  • Das Konto wird als reines Guthabenkonto geführt. Die Einrichtung einer Überziehungsmöglichkeit ist nicht möglich.

Wie weit kann ich mein Konto überziehen?

Wie hoch eine Kontoüberziehung sein darf, hängt von der Höhe des von der Bank eingeräumten Dispokredits ab. Die Höhe des Dispos legt die Bank anhand des Einkommens des Antragstellers fest. Das zwei- bis dreifache Nettoeinkommen des Kunden dient als Orientierung. Beträgt das monatliche Nettoeinkommen des Antragstellers z.B. 2.000 Euro, wird die Bank i.d.Regel ein Dispokredit zwischen 4.000 und 6.000 Euro einräumen. Bei einer Kontoüberziehung sind die genehmigte Überziehung und die geduldete Überziehung zu unterscheiden.

Genehmigte Überziehung

Bei der genehmigten Überziehung handelt es sich um die Inanspruchnahme des Kontos innerhalb des eingeräumten Disporahmens. Beträgt der Dispo z.B. 2.000 Euro, darf der Kunde den Rahmen mit der offiziellen Genehmigung der Bank ganz oder teilweise bis zu einem Betrag in Höhe von 2.000 Euro ausschöpfen.

Geduldete Überziehung (Überschreitung Limit)

Von der genehmigten Überziehung zu unterscheiden ist die geduldete Überziehung. Hierunter versteht man eine Überschreitung des genehmigten Dispos. Die Bank kann diese Überziehung dulden, ist hierzu jedoch nicht verpflichtet.

Höhe der Zinsen

Der Dispokredit gehört zu den teuersten Krediten. Stiftung Warentest hat im Juli 2017 einen bundesweiten durchschnittlichen Dispozins in Höhe von 9,78 Prozent ermittelt. Auffallend ist die große Bandbreite der Dispozinsen. Im Test lag der höchste Zins für einen Dispokredit bei 13,75 Prozent. Am unteren Ende der Skala fanden sich meist Direktbanken. Sie punkten mit recht attraktiven Zinsen unterhalb von 7 Prozent. Wer seinen Dispokredit regelmäßig in Anspruch nimmt, sollte ein Girokonto mit günstigen Zinsen nutzen, siehe Vergleich.

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Zur Bank

Wie teuer ein Dispokredit tatsächlich ist, zeigt der Vergleich mit dem klassischen Ratenkredit. Bei guter Bonität erhalten Antragsteller einen Ratenkredit bereits ab ca 2 Prozent.

Sollzins

Unter dem Sollzins versteht man den Zinssatz, den die Bank für die genehmigte Überziehung verlangt. Er wird umgangssprachlich auch als Dispozins bezeichnet.

Überziehungszins

Davon zu unterscheiden ist der Überziehungzins. Bei den Überziehungszinsen handelt es sich um den Zinssatz für die geduldete Überziehung des Kontos. Er ist bei den meisten Banken etwa 5 Prozentpunkte höher als der Sollzins.

Was kostet mein eigener Dispo?

Wer herausfinden will, wie teuer der eigene Dispositionskredit ist, informiert sich am besten bei seiner eigenen Bank. Sie hängt die Konditionen in ihren Geschäftsräumen aus. Die meisten Banken veröffentlichen ihre Zinsen außerdem auf ihrer Internetseite. Auf dem Kontoauszug ist der Zins ebenfalls aufgeführt. Bei einer Änderung des Zinssatzes ist die Bank verpflichtet, über die Anpassung zu informieren. Dies geschieht ebenfalls über die oben genannten Möglichkeiten.

Wann ist eine Kontoüberziehung sinnvoll?

Mit einem Dispokredit kann der Kontoinhaber einen vorübergehenden Zahlungsengpass überbrücken. Soll z.B. zum Monatsende eine Rechnung bezahlt werden ohne dass genug Guthaben auf dem Konto ist, kann die Buchung über den Dispo erfolgen. Auch teure Mahngebühren oder drohende Mahnverfahren durch unbezahlte Rechnungen lassen sich so vermeiden. Nicht sinnvoll ist eine Kontoüberziehung hingegen bei hohen Beträgen über einen längeren Zeitraum. In diesem Fall sind Alternativen besser.

„Der Dispo eignet sich nur für kurzfristige Engpässe“, findet daher Dirk Stein vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. „Wer längerfristig Geld braucht, sollte lieber auf einen Ratenkredit zurückgreifen.“ Auch Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest rät, den Dispokredit nur im Notfall und nur für kurze Zeit in Anspruch zu nehmen. „Man sollte immer im Kopf haben, wie viel man dafür bezahlt.“

Kontoüberziehung vermeiden

Wer eine Kontoüberziehung vermeiden möchte, hat hierzu verschiedene Möglichkeiten. Sehr sinnvoll ist es, die monatlichen Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen. Dadurch wird deutlich, wie groß der finanzielle Spielraum ist. Größere Ausgaben lassen sich leichter planen, und eventuell auf mehrere Monate verteilen. Auf jeden Fall sollte man jeden Monat einen kleinen Betrag zurücklegen, um Reserven anzusparen. Wer seine Ausgaben streng kontrolliert und jeden Monat etwas Geld anspart, kann eventuell auf eine Kontoüberziehung verzichten. In bestimmten Fällen sind Alternativen zum Dispokredit sinnvoll.

Alternativen zum Dispo

Der wesentlich günstigere Ratenkredit wird in gleichbleibenden monatlichen Kreditraten zurückgezahlt. Sondertilgungen sowie die Gesamtrückzahlung sind ohne zusätzliche Kosten bei vielen Anbietern möglich. Der Abrufkredit ist eine weitere Variante. Er funktioniert im Prinzip wie ein Dispokredit, nur die Zinsen sind wesentlich niedriger. Auch ein günstiger Kredit von einer Privatperson kann sich als Alternative anbieten.

Konto überzogen – was tun?

Wird der Dispokredit regelmäßig mit hohen Beträgen in Anspruch genommen, zahlt der Kreditnehmer hohe Zinsen. Deshalb sollte man unbedingt darauf achten, den Kredit schnell zurückzuzahlen. Wer Rücklagen angespart hat, kann diese zur Rückzahlung nutzen. Lassen sich die Einnahmen pro Monat durch eine vorübergehende Nebentätigkeit erhöhen, ist das ebenfalls eine Option. Eventuell lassen sich einzelne Ausgaben oder Anschaffungen verschieben, um den finanziellen Freiraum pro Monat zu erhöhen. Funktionieren diese Optionen nicht, sollte über eine Umschuldung nachgedacht werden.

Umschuldung

Bei einer Umschuldung wird der in Anspruch genommene Dispo durch einen anderen Kredit – meist durch einen Ratenkredit – abgelöst. Zuerst wird die Kreditsumme ermittelt. Ein Ratenkredit-Vergleich hilft, die Bank mit dem niedrigsten Zins zu finden. Dort wird der Umschuldungskredit beantragt. Verläuft die Kreditprüfung positiv, wird das Geld aus dem Ratenkredit auf das Girokonto eingezahlt, und der Dispo damit ausgeglichen.

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