Inkasso-Forderung abwehren: So reagieren Sie richtig

Abwehr einer Inkasso-ForderungSie haben Post von einem Inkasso Unternehmen erhalten, und denken die Forderung ist unberechtigt? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen Verbrauchern heutzutage, auf deren Kosten sich unseriöse Firmen bereichern möchten. Wir erläutern wie Sie richtig reagieren, und die Angelegenheit erfolgreich abwehren können.


Wie kommt es zu unberechtigten Inkasso-Forderungen?

Inkassounternehmen übernehmen als Dienstleister das Mahnwesen, das Eintreiben offener Forderungen aus Geschäftsbeziehungen sowie das Einbringen gerichtlicher Mahnverfahren für Dritte. Zudem sind sie berechtigt, Gläubigern offene Forderungen abzukaufen, und diese in eigenem Namen beim Schuldner einzutreiben. Die Geldeintreiber sind nicht verpflichtet, deren Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Das hat zur Folge, dass angebliche Gläubiger in betrügerischer Absicht immer wieder überhöhte oder gänzlich unberechtigte Ansprüche gegen unbedarfte Verbraucher durchsetzen können. Auch seriöse Inkassobetriebe überprüfen Forderungen vor einem Ankauf oft nicht. Das schützt sie davor, sich gegebenenfalls selbst wegen Beihilfe zum Betrug verantworten zu müssen.

Erstmal prüfen: Schulde ich tatsächlich niemandem Geld?

Sie sollten natürlich nur eine unberechtigte Forderung abwehren. Zunächst ist sicherzustellen, dass Sie tatsächlich niemandem Geld schulden. Denn ansonsten müssten Sie am Ende nicht nur den eigentlichen Betrag, sondern auch noch ärgerliche Gebühren zahlen. Überprüfen Sie also die Angelegenheit erstmal gründlich. Gehen Sie bitte wie folgt vor:

  • Wer ist der Auftraggeber des Inkasso? Dies können Sie dem Anschreiben entnehmen.
  • Standen Sie in Kontakt zu diesem Unternehmen? Z.b. Versandhaus, Onlineshop, Handyprovider oder ein TV-Abo
  • Kann ich mich an einen Vertragsabschluss / Kauf / Bestellung erinnern?
  • Liegt der Vorgang vielleicht schon Wochen oder Monate zurück?
  • Kann eine andere in meinem Haushalt lebende Person den Kauf oder Vertrag abgeschlossen haben?
  • Beim Kauf in einem Online-Shop: Sehen Sie im Impressum nach, wie die Betreiberfirma heisst.
  • Wird die Bezahlung einer bereits beglichenen Rechnung gefordert?

So erkennen Sie eine zweifelhafte Forderung

Stellt sich der Anspruch als unberechtigt heraus, sollten Sie im nächsten Schritt die Seriosität des Unternehmens prüfen. Wesentliche Voraussetzung für die legale Tätigkeit eines Inkassos ist die Registrierung bei der zuständigen Behörde, welche immer mit einem Eintrag im Rechtsdienstleistungsregister verbunden ist. Über das Register können Betroffene herausfinden, ob das Unternehmen überhaupt seine Tätigkeit ausüben darf. Auch Unternehmen und Personen, denen die Tätigkeit untersagt wurde, sind hier aufgelistet. Die Geldeintreiber müssen sich in ihren Schreiben zudem an rechtliche Vorgaben halten, und bestimmte Angaben aufführen.

Verpflichtende Angaben
Hinweise auf Unseriosität
Verpflichtende Angaben
  • Angabe der registrierenden Behörde
  • Angaben zum Gläubiger
  • Forderungsgrund sowie Datum und Betrag der Forderung
  • Aufschlüsselung der Inkassogebühren
  • Angabe einer angemessenen Zahlungsfrist
Hinweise auf Unseriosität
  • unprofessioneller, unsachlicher und / oder bedrohlich wirkender Stil, eventuell mangelhafte Rechtschreibung
  • ausländische Registrierungsbehörde und / oder Bankverbindung
  • keine direkte Ansprechperson, Telefonnummer oder Kontaktadresse
  • E-Mail-Adresse eines Gratisanbieters
  • überhöhter Betrag und / oder überhöhte Nebenkosten

So können Sie erfolgreich Inkasso-Forderungen abwehren

Ist der Hintergrund des betreibenden Inkassounternehmens ausreichend recherchiert, sollten Sie so schnell wie möglich reagieren. Gehen Sie z.B. nach der folgenden Anleitung vor:

Nehmen Sie zunächst Kontakt zum Gläubiger auf

Im ersten Schritt sollten Sie auf die gute alte Kommunikation setzen. Am besten gelingt dies in einem persönlichen Telefonat. Erklären Sie die Situation. Eventuell wurde Ihnen das Schreiben versehentlich zugestellt, und die Sache hat sich in dem Moment erledigt. Lassen Sie sich in dem Fall den Sachverhalt schriftlich bestätigen. Besteht das Unternehmen trotz Ihrer Intervention weiter auf der Begleichung, geht es nun an das eigentliche Abwehren der Inkasso-Forderung. Kündigen Sie in dem Telefonat Ihren schriftlichen Widerspruch an.

Wichtig: Bewahren Sie zunächst Ruhe. Leisten Sie keinerlei Zahlungen! Machen Sie auf keinen Fall Zahlungszusagen, auch nicht für Teilbeträge, Mahnkosten oder sonstige Gebühren.

Unseriöse Unternehmen werden nun möglicherweise versuchen, Druck auf Sie auszuüben. Das kann auf unterschiedliche Weise passieren, etwa durch die Androhung eines gerichtlichen Mahnbescheides oder einer Negativmeldung bei der SCHUFA. Die Negativmeldung bei der SCHUFA wäre zu diesem Zeitpunkt allerdings illegal, da sie datenschutzrechtlichen Regelungen widersprecht. Für eine legale Eintragung bräuchte es einen gesetzlichen Rechtfertigungsgrund oder die ausdrückliche Einwilligung des Betroffenen.

Legen Sie schriftlich Widerspruch ein

Lassen Sie sich von derartigen Drohungen nicht irritieren. Verfassen Sie zunächst einen schriftlichen Widerspruch, und senden Sie diesen per Einschreiben mit Rückschein ab. Der Widerspruch sollte bestimmte Punkte beinhalten, siehe Auflistung unten. Beispiele wie solche Schreiben zu formulieren sind, erhalten Sie zum Beispiel auch auf der Website der Verbraucherzentrale.

  • Erklären Sie unmissverständlich, dass Sie nicht zahlen werden.
  • Begründen Sie, warum Sie der Forderung nicht nachkommen.
  • Fordern Sie den Gläubiger dazu auf darzulegen, warum ihm das Geld angeblich zusteht.
  • Fordern Sie ihn auf, die Rechnung zu überprüfen und zu korrigieren.
  • Widersprechen Sie auch der Nutzung sämtlicher persönlicher Daten, und verlangen Sie deren Löschung.
  • Kündigen Sie bei Androhung eines SCHUFA-Eintrags Ihrerseits rechtliche Schritte und Schadenersatzansprüche an.

Was tun bei einem Mahnbescheid?

Erkennt das Inkasso Ihren Widerspruch nicht an, wird es nun versuchen die Forderung in einem gerichtlichen Mahnverfahren durchzusetzen. Hierbei handelt es sich um ein vereinfachtes Verfahren der Zivilprozessordnung, mit dem Gläubiger ihre Ansprüche ohne großen rechtlichen Aufwand einbringen können. I.d. Regel wird dem (angeblichen) Schuldner ein gerichtlicher Mahnbescheid zugestellt. Die Zustellung erfolgt in einem amtlichen Schreiben in dem berühmten gelblichen Briefumschlag. Wichtig zu wissen: Das Gericht überprüft die Rechtmäßigkeit nicht! Wenn Sie die Inkasso-Forderung abwehren möchten, müssen Sie dem Mahnbescheid innerhalb einer Frist von 14 Tagen zwingend widersprechen. Der Widerspruch ist hier sehr einfach, da dem Mahnbescheid ein entsprechendes Formular beigelegt ist, auf dem lediglich die Textzeile „Ich widerspreche dem Anspruch insgesamt” angekreuzt werden muss. Die Rücksendung an das Amtsgericht sollte idealerweise wieder per Einschreiben erfolgen. Durch den Widerspruch wird verhindert, dass der Mahnbescheid vollstreckbar wird, und das Gericht einen Vollstreckungsbescheid ausstellen kann.

Was tun bei einem Vollstreckungsbescheid?

Versäumen Sie die Frist für den Widerspruch des Mahnbescheids, ergeht vom Gericht ein Vollstreckungsbescheid. Diesem Bescheid können Sie ebenfalls widersprechen. Hierfür gibt es keinen Vordruck wie bei einem Mahnbescheid. Das Schreiben müssen Sie selbst formulieren, oder dies besser von einem Fachanwalt erledigen lassen. Achtung: Widersprechen Sie einem Vollstreckungsbescheid nicht, wird er rechtskräftig, und kann von der betreibenden Inkassogesellschaft zur gerichtlichen Eintreibung des Geldes verwendet werden. Dann kann ein Gerichtsvollzieher z.B. eine, Lohn- oder Kontopfändung vornehmen. Das gilt leider auch dann, wenn die ursprüngliche Forderung nicht berechtigt war.

Wann kommt es zum Klageverfahren?

Möchte das Inkassounternehmen die Forderung dennoch durchsetzen, muss es nun vor Gericht Klage erheben. Das Gericht setzt hierfür einen Termin für eine Gerichtsverhandlung fest, zu dem beide Parteien geladen werden. Hierüber werden Sie in einem amtlichen Schreiben auf dem Postweg informiert. Erst beim Gerichtstermin wird die Forderung auf Rechtmäßigkeit überprüft, und in einem Urteil über den Ausgang entschieden. Ein (unseriöses) Inkasso wird bei einer zweifelhaften Forderung i.d. Regel kein Klageverfahren mehr anstreben, da es sich der geringen Aussicht auf Erfolg bewusst ist. Meist hat sich die Angelegenheit mit einem vorherigen Widerspruch (siehe oben) erledigt.

Wann sollten Sie sich rechtlichen Beistand suchen?

Einen Rechtsanwalt sollten Sie spätestens in dem Moment aufsuchen, wo Sie sich der Sache nicht mehr gewachsen fühlen. Das kann bereits beim ersten Schreiben des Inkassobüros sein, oder auch erst nach dem Widerspruch. Einem Mahnbescheid kann man noch recht einfach über den Vordruck widersprechen, wofür nicht zwingend ein Rechtsbeistand benötigt wird. Alles was danach kommt, ist jedoch mit zu viel Unsicherheiten behaftet, um es alleine durchzuziehen.

Hinweis: Es handelt sich hierbei nicht um eine Rechtsberatung, sondern lediglich um praktische Tipps. Suchen Sie sich im Zweifel immer einen Rechtsbeistand.
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