Auf Pump gekauft – wofür Deutsche am liebsten Kredite aufnehmen

Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. Das merkt man nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Statistiken der Banken. Doch auch für viele andere Dinge nehmen Bundesbürger gerne einen Kredit auf. Welche Waren und Dienstleistungen in Deutschland im Jahr 2017 am häufigsten auf Pump gekauft wurden, und was sich im Vergleich zum Vorjahr verändert hat.


Grafik zur Marktstudie von Konsum- und KfZ-Finanzierungen

Grafik zur Marktstudie von Konsum- und KfZ-Finanzierungen

Quelle: bfach.de

Achtung: es sind Mehrfachnennungen enthalten. So können z.B. Ausgaben für Renovierungen und Umzug auch Anschaffungskosten für Möbel enthalten.

Deutsche kaufen gerne ihr Auto auf Raten

Laut einer Marktstudie der GFK-Finanzmarktforschung im Auftrag des Bankenfachverband e.V. aus dem Jahr 2017 ist der Gebrauchtwagen der häufigste Verwendungszweck für einen Konsumentenkredit in Deutschland. Mit 32 Prozent ist dies fast ein Drittel. Knapp dahinter auf Platz 2 folgt mit 26 Prozent der Neuwagen. Somit werden aktuell über die Hälfte aller Ratenkredite für den Erwerb eines Autos verwendet. Hohe Anschaffungskosten bei gleichzeitig niedrigen Kreditzinsen machen vielen Verbrauchern die Entscheidung leicht, einen Auto-Ratenkauf in Anspruch zu nehmen. Nur etwa 4 Prozent Zinsen jährlich zahlt ein Autokäufer heutzutage für seine Finanzierung. Die Kreditnehmer sind häufig Gutverdiener. Dies zeigt sich am durchschnittlichen Nettoeinkommen in Höhe von ca. 2700 Euro. Im Vergleich zu 2016 legen die Neuwagen um einen Prozentpunkt zu, während die Gebrauchten ein Prozent verlieren. An den Platzierungen 1 und 2 ändert sich nichts.

Nach dem Auto kommt die eigene Wohnung

Gleich hinter den Autos auf Platz 3 folgt die eigene Wohnung. So entfällt mit 17 Prozent etwa jeder sechste Kredit auf die Anschaffung von Möbeln oder Küchen. Die Verwendung für Renovierung und Umzug erscheinen in der Studie in einem Extra-Posten, welcher mit 10 Prozent auf Platz 8 gelistet wird. Da jedoch in dieser Studie auf Mehrfachnennungen hingewiesen wird, wäre es möglich, dass Personen die Möbel oder Küche als Grund angeben, mit dem gleichen Kredit auch ihren restlichen Umzug finanzieren. Würde man jedoch alle Neuabschlüsse im Zusammenhang mit der eigenen Wohnung addieren, entfällt darauf jedes vierte Darlehen. Bei Häufig und Platzierung gibt es keine Veränderung zum letzten Jahr.

Deutsche schulden gerne um

Dass viele Bundesbürger trotz guter Wirtschaftslage verschuldet sind, merkt man an der folgenden Statistik: So wurden im Jahr 2017 immerhin noch 15 Prozent aller Neuabschlüsse verwendet, um einen bestehenden Kredit abzulösen zu können. Die GFK listet diesen Verwendungszweck hinter dem Auto und der eigenen Wohnung auf Platz 4. Mit Neukrediten in Höhe von durchschnittlich 20.000 Euro konnten deutsche Verbraucher im Jahr 2017 die Schuld bei ihren Gläubigern tilgen. Dabei kommt den Schuldnern die derzeitige Tendenz der niedrigen Zinsen zu Gute. Eine Umschuldung auf Kredite mit günstigeren Konditionen führte im vergangenen Jahr in deutschen Haushalten zu einer Gesamtersparnis von mehr als 100 Millionen Euro. Auch überzogene Girokonten sind ein häufiger Grund, warum Bundesbürger einen neuen Kredit aufnehmen. Laut der GFK-Statistik entfallen immerhin noch 12 Prozent aller Neuverträge auf den Ausgleich einer Kontoüberziehung. Die Statistik listet den Verwendungszweck Kontoausgleich an 7. Stelle. Die Ablösung von Ratenkrediten legte im Vergleich zu 2016 um 2 Prozentpunkte zu, während die Rückführung des Dispokredit 1 Prozent verliert.

Finanzierung von Elektronik und Kleidung wird unbeliebter

Die Finanzierung von Unterhaltungselektronik sowie großen Haushaltsgeräten hat im Vergleich zu 2016 an Beliebtheit eingebüßt. Während im Vergleich zum Vorjahr 1 Prozent weniger Verbraucher angaben, ihre Waschmaschine auf Raten zu kaufen, verlieren Computer & Co gleich 3 Prozentpunkte. Dennoch hat sich die Geldleihe für technische Geräte in den Top Ten etabliert. Das Sortiment von Mediamarkt & Co. folgt auf den Plätzen 5 und 6 mit jeweils 14- und 13 Prozent aller Neufinanzierungen. So wurde in 2017 etwa jeder siebte Kredit für Waschmaschine, PC, Smartphone oder Flatscreen verwendet. Ebenso rückläufig ist die Bereitschaft der Bundesbürger, Kleidung und Schmuck zu finanzieren. Mit nur noch 7 Prozent aller Neuaufnahmen rangieren Klamotten & Co auf Platz 9. Das sind 4 Prozentpunkte weniger als im letzten Jahr.

Auch der Urlaub wird lieber bar bezahlt

Die Finanzspritze für den Urlaub schaffte es mit Platz 10 nur noch gerade so in die Top Ten. Mit 6 Prozent gab im Jahr 2017 nur noch etwa jeder 16 Verbraucher an, den Kredit für eine Reise zu benötigen. Das sind vier Prozent weniger als im Vorjahr. Begründen lässt sich die rückläufige Entwicklung nicht etwa damit, dass die Deutschen weniger verreisen würden. Wahrscheinlicher ist, dass bei Geldmangel bei vielen Verbrauchern zuerst der Urlaub flachfällt. Auch sind in den letzten Jahren die Preise für Pauschalreisen gesunken.

Bildung und Gesundheit tauschen die Plätze

Die Häufigkeit der Finanzierung von Bildung mittels Kredit hat sich im Vergleich zu letzten Jahr um ein Prozent gesteigert. Etwa 3 Prozent der Verwendungszwecke fielen nun auf Studium, Ausbildung & Co. Ein Prozent eingebüßt haben hingegen Ratenzahlungen für medizinische Behandlungen. Für die Rangliste bedeutet dies, dass Bildung und Gesundheitsleistungen die Plätze 11 und 12 miteinander tauschen.

Deutsche fahren lieber Auto als Motorrad

Im Gegensatz zu Neu- und Gebrauchtwagen ist die Finanzierung von anderen Fahrzeugen relativ unbeliebt. Laut der Studie wurden in 2017 nur 2 Prozent aller Kredite für den Erwerb von Wohnmobilen verwendet. Diese rangieren wie schon im Vorjahr auf dem vorletzten Platz. Dies liegt jedoch in erster Linie daran, dass nur für wenige Bundesbürger die Anschaffung eines Wohnmobils überhaupt in Frage kommt. Noch „schlechter“ sieht es für Zweiräder aus. Wie schon im Jahr zuvor entfielen nur ein Prozent der Kreditaufnahmen auf Motorrad, Roller & Co. Der Grund für die sinkende Finanzierungsbereitschaft ist, dass tendenziell immer weniger Leute Motorrad fahren.

Achtung: es sind Mehrfachnennungen enthalten. So können z.B. bei den Ausgaben für Neu- und Gebrauchtfahrzeuge auch Zweiräder oder Wohnmobile enthalten sein.

Fazit

Die Mobilität ist uns Deutschen besonders wichtig. Allerdings nur was das Auto betrifft. Dieses ist hierzulande traditionell das Statussymbol Nummer 1. Erst dahinter folgt das traute Heim. Zudem nutzen wir scheinbar vermehrt die Vorteile der Niedrigzinsphase. Teure Altkredite werden gerne durch Neuabschlüsse mit günstigen Zinsen ersetzt. Interessant: die Bereitschaft der Bundesbürger Unterhaltungselektronik auf Pump zu kaufen, ist fast 5 mal zu hoch wie eine finanzierte Investition in Bildung und Gesundheit.

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